Archive for November, 2011


„Habt ihr es nicht kommen sehen?“

So oder so ähnlich könnte in einer nicht allzu fernen Zukunft einmal die Jugend fragen! Und was sagen wir dann?

Die einen werden sagen: Wir hatten Angst vor Terroristen! Andere werden sagen: Wir hatten andere Probleme! Und wieder andere argumentieren: Wir hatten keine Wahl mehr! Und vielleicht sagt der eine oder andere: Wir hatten keine Ahnung!

Was wirst du antworten?

Hast du Angst vor Terroristen? Wenn ja, dann frage dich einmal warum. Und dann vergleiche deine Antwort mal mit anderen Sorgen. Dazu empfehle ich mal Volker Pispers. Besser kann ich das nicht auf den Punkt bringen.

Oder hast du andere Probleme? Mit Sicherheit! Aber sollte man deshalb sagen: „Was scheren mich Krieg und Diktatur, Ausbeutung und Betrug?“ Vermutlich nicht. Der eine oder andere mag tatsächlich gravierende Probleme haben, aber der wird hier wohl auch nicht lesen. Den meisten Menschen geht es doch viel zu gut, als dass sie sich über Dinge beschweren, die sie nicht – oder noch nicht – direkt betreffen…

Oder meinst du, du hättest keine Wahl mehr?  Wohl kaum, vielleicht keine Lust, keinen Mut oder etwas in der Art. Aber die Wahl hat man – zumindest noch! Nur muss man auch wissen, was man wählt…

„Wir hatten keine Ahnung!“ Das ist wohl noch die ehrlichste Aussage. Zumindest wird es für die meisten so sein. Aber keine Ahnung zu haben, heißt nicht das man unschuldig ist. Denn es gibt genug Menschen, die Probleme und Alternativen – häufig auch alternative Probleme – aufzeigen. Jeder hat dich Möglichkeit sich zu informieren. Und auch die Möglichkeit mehr zu tun als nur ab und an mal „Bio“ zu kaufen oder Veganer zu werden. Mehr zu tun als sich zu beschweren, als nur Alternativen zu suchen, oder als zu sagen: „Macht dieses oder jenes mal besser!“

Es mag schwer sein den Weg zu sehen, aber manchmal muss man auch ein wenig suchen, ehe man den Weg findet, oder ein wenig in die richtige Richtung gehen, ehe man den Weg erkennt!

Und vor allem sollte man den falschen Weg nicht beschreiten, nur weil er so bequem ist!

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Was auch immer man glaubt, was auch immer man weiß, was auch immer man erdacht hat.

Was auch immer man gelesen hat, was man gesehen hat, was man auch gehört hat.

Was auch immer man gelernt und was man verstanden hat.

Insbesondere wenn Zweifel auftauchen, oder wir uns mit Kritik konfrontiert sehen, sollten wir uns einmal Zeit nehmen, und nicht nur nachdenken, sondern auch überdenken.

Nachdenken ist einfach, man folgt einer Argumentation und gelangt zu einem Ergebnis.

Doch viele Wege führen nach Rom – und noch mehr in die Irre.

Der kritische Umgang mit den eigenen Gedanken ist das höchste Gut für einen freien Geist. Es gibt viele Wahrheiten, aber nur ein Bruchteil von ihnen ist vollkommen, wenn es das überhaupt gibt. Die meisten Wahrheiten und Gedanken sind unvollkommen, sie strahlen mal mehr oder wenige hell. Mal werden sie angestrahlt, mal strahlen sie selber. Aber nur wenige Gedanken sind in der Lage aus sich selbst heraus alles zu überstrahlen. Und selbst diese Gedanken strahlen nicht für jeden gleich hell. Und manch einer erkennt ihre Strahlen gar nicht, weil er abgewandt steht oder die Sicht versperrt ist. Man muss immer bereit sein sich auch einmal umzuwenden. Man sollte keinen soliden Standpunkt leichtfertig aufgeben, aber man sollte auch nicht leichtfertig sein oder stillstehen, aus Angst der eigene Standpunkt könnte einem unter den Füßen zerbröckeln…

Seit kritisch mit anderen, mit euch und bitte auch mit mir!

Aber glaubt nicht einfach nur zu wissen…

Nun ist ja ja schon etwas über zwei Wochen her, dass am 15. Oktober auch hier in Deutschland eine Bewegung begann, die man zuweilen als „Occupy-Bewegung“ bezeichnet. Einfache empörte Bürger aus allen Schichten der Gesellschaft. Vielleicht ein guter Zeitpunkt, um mal ein paar Dinge, die mir aufgefallen sind, aufzuzeigen. (Über andere Erfahrungen und Meinungen in Form von Kommentaren würde ich mich sehr freuen.)

1. Das wohl wichtigste schein mir, dass es sich bei dieser, in meinen Augen fälschlich als Bewegung bezeichneten, Menge von Menschen um eine vollkommen uneinheitliche und bunt gemischte Gruppe handelt, deren größter gemeinsamer Nenner „allgemeine Empörung“ zu sein scheint. Dies soll keine Kritik sein, aber man muss sich dessen bewusst sein, wenn man in den Medien einzelne Meinungen von Demonstranten, von Attac oder anderen Gruppen vernimmt. Und angesichts der Tatsache, dass es sich bei den Protesten nicht einmal zwingend um die Finanzwelt drehte, sondern viel verschiedene grundlegende Systemkritik geäußert wurde (zumindest in Dresden), muss man leider sagen, dass die paar tausend Menschen auf den Straßen da wohl gerade einmal ein Tropfen auf den heißen Stein waren (trotzdem war ich persönlich von der Menge überrascht).

2. Was ich an dieser Bewegung am kritischsten sehe, ist die Tatsache, dass dem Ganzen schon im Vorfeld sehr viel Raum in den Medien zugestanden wurde. Und seither das Thema trotz der geringen Zahl an Beteiligten auch weiterhin relativ präsent in den Medien ist. Wobei auffällt, dass es wenig konkrete Kritik und noch wenige konkrete Vorschläge gibt. Man kritisiert die Hochfinanz und das Finanzsystem, den Raubtierkapitalismus und die Ungleichheit, die Schere zwischen Arm und Reich und noch ein bisschen mehr. Die Kritik sehe ich zwar als gerechtfertigt und zumeist auch richtig an, nur ist sie eben auf einem sehr wenig durchdachtem Niveau. Und der einzige Vorschlag, der dann öfter mal durchschimmert, vor allem von attac, ist die Einführung einer Finanztransaktionssteuer. Und das unsere Regierung, unsere Medien und „das deutsche Volk“ an einem Strang zu ziehen scheinen, macht mich vollendens stutzig und schein mir eher ein Ventil für die allgemeine Unzufriedenheit zu sein.

3. Finanztransaktionssteuer… Wer bitte glaubt denn ernsthaft, dass man damit das Problem lösen kann? „Wir müssen den bösen Spekulanten Einhalt gebieten!“ Ja klar, dann können wir auch gleich die anderen Berufe zusätzlich besteuern, die nicht produktiv tätig sind, und sich auf Kosten anderer bereichern. Dann sollten wir uns aber nicht wundern, wenn die Arbeitslosenquote mal schnell auf deutlich über 50% ansteigt. Mal abgesehen davon, das ohne diese Menschen unsere Börse (wie auch viele andere Märkte) nicht vorstellbar ist, und wohl auch nicht besonders funktionieren würde. Ihre Aufgabe besteht ja nicht darin die Preise hoch zu treiben, sondern einen Marktpreis zu generieren. Mich zwingt ja niemand meine Aktie oder was auch immer an Spekulanten zu verkaufen. Aber ich nehme eben lieber einen kleinen Verlust hin, als dass ich warten muss, bis sich ein Käufer findet, der die Aktie auch wirklich haben, und nicht nur handeln will. Und wenn ich eine Aktie kaufen will, kann ich ja auch warten, bis einer eben diese Aktie verkaufen will. Die Spekulanten spekulieren, da toll, sollen sie doch. Zumindest bestehlen sie uns nicht gegen unseren Willen. Und dass wir mit dieser Steuer unser Schuldenproblem lösen können, glaubt ich erst recht nicht…

Eine Tendenz, die mir in vielen Kommentaren und Äußerungen aufgefallen ist, möchte ich hier noch anbringen, bevor ich meine Meinung zu Problem und Lösung noch kurz darlege.

4. Sowohl in dem, was unsere Politik gerade ansteuert, als auch in dem, was ich aus vielen Meinungen von „Nichtregierungsorganisationen“ oder -personen wahrnehme, scheint mir eine Tendenz besonders unangenehm. Wir suchen und verlangen immer mehr globale oder zumindest internationale Lösungen für Probleme, die uns solche internationalen Bestrebungen erst eingebracht haben, oder die auch regional gelöst werden könnten. Wir steuern aus unserer Scheindemokratie immer mehr auf eine Räteregierung zu. Das Synonym Sowjetregierung (eigentlich ist es einfach eine Übersetzung – mit gleicher Bedeutung) wird verständlicher Weise nur ungern verwendet, obwohl Vergleiche durchaus angebracht sind! Ich für meinen Teil finde diese Entwicklung nicht sehr erstrebenswert!

Zum meiner Meinung: Das Problem der Schulden ist Hausgemacht, und die Griechen, oder wer auch immer, sind daran lediglich mitschuldig. Und ganz allgemein die Banken zu beschuldigen, halte ich auch für kurzsichtig. Wer sind den die Banken. Die Banken verwalten nur das Geld der Menschen. Und die wollen Profite sehen. Wenn wir auf unsere Geldanlage mehr Zinsen haben wollen, als eine Deutsche Staatsanleihe einbringt, ist doch ganz klar, dass der Gewinn irgendwo anders herkommen muss. Jeder der Geld auf die Bank schaft, verlangt dafür Zinsen, und diese Zinsen muss irgendwer zahlen, und im Endeffekt auch erarbeiten. Soweit ist das denke ich recht klar… Das wir Zinsen verlangen ist allerdings auch verständlich, da ja das Geld durch die Inflation immer weniger Wert ist, und wir diesen Verlust ja zumindest ausgleichen wollen, um im Alter, oder zumindest in wie weit auch immer entfernter Zukunft, uns davon noch ähnlich viel leisten können… Dieses System hat lange Zeit auch ganz gut funktioniert, da die Wirtschaft mit der Geldmenge gewachsen ist. Wenn aber wie heute, die Geldmenge schneller als die Wirtschaft wächst, geht das ganze irgendwann vor die Hunde.

Das große übel ist es in meinen Augen, dass Wert- und Geldschöpfung im falschen Zusammenhang stehen. Die Geldmenge steigt exponentiell, dass kann aber eine Wirtschaft auf Dauer nie leisten. (In meinen Augen sollte man sich ohnehin einmal überlegen, was wir tatsächlich für ein Wirtschaftswachstum brauchen – oder ob.) Gebe es eine feste Geldmenge, oder von mir aus einfach nur kein gesetzlich vorgeschriebenes Zahlungsmittel, wäre das Problem an der Wurzel behoben. Sicherlich stirbt die „Pflanze“ ohne Wurzel dann ab und richtet auch ein wenig Schaden an, aber vermutlich wachsen unter der gefällten Kiefer dann auch ein paar Blumen…