Nun ist ja ja schon etwas über zwei Wochen her, dass am 15. Oktober auch hier in Deutschland eine Bewegung begann, die man zuweilen als „Occupy-Bewegung“ bezeichnet. Einfache empörte Bürger aus allen Schichten der Gesellschaft. Vielleicht ein guter Zeitpunkt, um mal ein paar Dinge, die mir aufgefallen sind, aufzuzeigen. (Über andere Erfahrungen und Meinungen in Form von Kommentaren würde ich mich sehr freuen.)

1. Das wohl wichtigste schein mir, dass es sich bei dieser, in meinen Augen fälschlich als Bewegung bezeichneten, Menge von Menschen um eine vollkommen uneinheitliche und bunt gemischte Gruppe handelt, deren größter gemeinsamer Nenner „allgemeine Empörung“ zu sein scheint. Dies soll keine Kritik sein, aber man muss sich dessen bewusst sein, wenn man in den Medien einzelne Meinungen von Demonstranten, von Attac oder anderen Gruppen vernimmt. Und angesichts der Tatsache, dass es sich bei den Protesten nicht einmal zwingend um die Finanzwelt drehte, sondern viel verschiedene grundlegende Systemkritik geäußert wurde (zumindest in Dresden), muss man leider sagen, dass die paar tausend Menschen auf den Straßen da wohl gerade einmal ein Tropfen auf den heißen Stein waren (trotzdem war ich persönlich von der Menge überrascht).

2. Was ich an dieser Bewegung am kritischsten sehe, ist die Tatsache, dass dem Ganzen schon im Vorfeld sehr viel Raum in den Medien zugestanden wurde. Und seither das Thema trotz der geringen Zahl an Beteiligten auch weiterhin relativ präsent in den Medien ist. Wobei auffällt, dass es wenig konkrete Kritik und noch wenige konkrete Vorschläge gibt. Man kritisiert die Hochfinanz und das Finanzsystem, den Raubtierkapitalismus und die Ungleichheit, die Schere zwischen Arm und Reich und noch ein bisschen mehr. Die Kritik sehe ich zwar als gerechtfertigt und zumeist auch richtig an, nur ist sie eben auf einem sehr wenig durchdachtem Niveau. Und der einzige Vorschlag, der dann öfter mal durchschimmert, vor allem von attac, ist die Einführung einer Finanztransaktionssteuer. Und das unsere Regierung, unsere Medien und „das deutsche Volk“ an einem Strang zu ziehen scheinen, macht mich vollendens stutzig und schein mir eher ein Ventil für die allgemeine Unzufriedenheit zu sein.

3. Finanztransaktionssteuer… Wer bitte glaubt denn ernsthaft, dass man damit das Problem lösen kann? „Wir müssen den bösen Spekulanten Einhalt gebieten!“ Ja klar, dann können wir auch gleich die anderen Berufe zusätzlich besteuern, die nicht produktiv tätig sind, und sich auf Kosten anderer bereichern. Dann sollten wir uns aber nicht wundern, wenn die Arbeitslosenquote mal schnell auf deutlich über 50% ansteigt. Mal abgesehen davon, das ohne diese Menschen unsere Börse (wie auch viele andere Märkte) nicht vorstellbar ist, und wohl auch nicht besonders funktionieren würde. Ihre Aufgabe besteht ja nicht darin die Preise hoch zu treiben, sondern einen Marktpreis zu generieren. Mich zwingt ja niemand meine Aktie oder was auch immer an Spekulanten zu verkaufen. Aber ich nehme eben lieber einen kleinen Verlust hin, als dass ich warten muss, bis sich ein Käufer findet, der die Aktie auch wirklich haben, und nicht nur handeln will. Und wenn ich eine Aktie kaufen will, kann ich ja auch warten, bis einer eben diese Aktie verkaufen will. Die Spekulanten spekulieren, da toll, sollen sie doch. Zumindest bestehlen sie uns nicht gegen unseren Willen. Und dass wir mit dieser Steuer unser Schuldenproblem lösen können, glaubt ich erst recht nicht…

Eine Tendenz, die mir in vielen Kommentaren und Äußerungen aufgefallen ist, möchte ich hier noch anbringen, bevor ich meine Meinung zu Problem und Lösung noch kurz darlege.

4. Sowohl in dem, was unsere Politik gerade ansteuert, als auch in dem, was ich aus vielen Meinungen von „Nichtregierungsorganisationen“ oder -personen wahrnehme, scheint mir eine Tendenz besonders unangenehm. Wir suchen und verlangen immer mehr globale oder zumindest internationale Lösungen für Probleme, die uns solche internationalen Bestrebungen erst eingebracht haben, oder die auch regional gelöst werden könnten. Wir steuern aus unserer Scheindemokratie immer mehr auf eine Räteregierung zu. Das Synonym Sowjetregierung (eigentlich ist es einfach eine Übersetzung – mit gleicher Bedeutung) wird verständlicher Weise nur ungern verwendet, obwohl Vergleiche durchaus angebracht sind! Ich für meinen Teil finde diese Entwicklung nicht sehr erstrebenswert!

Zum meiner Meinung: Das Problem der Schulden ist Hausgemacht, und die Griechen, oder wer auch immer, sind daran lediglich mitschuldig. Und ganz allgemein die Banken zu beschuldigen, halte ich auch für kurzsichtig. Wer sind den die Banken. Die Banken verwalten nur das Geld der Menschen. Und die wollen Profite sehen. Wenn wir auf unsere Geldanlage mehr Zinsen haben wollen, als eine Deutsche Staatsanleihe einbringt, ist doch ganz klar, dass der Gewinn irgendwo anders herkommen muss. Jeder der Geld auf die Bank schaft, verlangt dafür Zinsen, und diese Zinsen muss irgendwer zahlen, und im Endeffekt auch erarbeiten. Soweit ist das denke ich recht klar… Das wir Zinsen verlangen ist allerdings auch verständlich, da ja das Geld durch die Inflation immer weniger Wert ist, und wir diesen Verlust ja zumindest ausgleichen wollen, um im Alter, oder zumindest in wie weit auch immer entfernter Zukunft, uns davon noch ähnlich viel leisten können… Dieses System hat lange Zeit auch ganz gut funktioniert, da die Wirtschaft mit der Geldmenge gewachsen ist. Wenn aber wie heute, die Geldmenge schneller als die Wirtschaft wächst, geht das ganze irgendwann vor die Hunde.

Das große übel ist es in meinen Augen, dass Wert- und Geldschöpfung im falschen Zusammenhang stehen. Die Geldmenge steigt exponentiell, dass kann aber eine Wirtschaft auf Dauer nie leisten. (In meinen Augen sollte man sich ohnehin einmal überlegen, was wir tatsächlich für ein Wirtschaftswachstum brauchen – oder ob.) Gebe es eine feste Geldmenge, oder von mir aus einfach nur kein gesetzlich vorgeschriebenes Zahlungsmittel, wäre das Problem an der Wurzel behoben. Sicherlich stirbt die „Pflanze“ ohne Wurzel dann ab und richtet auch ein wenig Schaden an, aber vermutlich wachsen unter der gefällten Kiefer dann auch ein paar Blumen…

Advertisements