Häufig stellt sich mir beim Lesen die Frage, was genau will mir der Autor damit eigentlich sagen… Und dabei stoße ich häufig auf ein Problem, welches mir für das Verständnis und die Kommunikation der Menschen von grundlegender Bedeutung scheint.

Welche Bedeutung steckt eigentlich in den Worten, wenn jemand den Kapitalismus, den Neoliberalismus, die Marktwirtschaft, die Banken oder was auch immer kritisiert? Was bedeutet rechts, und vor allem was bedeutet links, was ist Raubtierkapitalismus, was ist liberal und was sozial?

In diesen Fragen steckt weit mehr als Paragraphenreiterei. Denn wie will man über etwas reden können, wenn die Begriffe nicht klar definiert sind? Problematisch wird dies insbesondere, wenn man wie gestern am 15. Oktober Schilder und Plakate auf einer Demonstration mitführt, um damit etwas auszusagen. Insbesondere gestern war dies ja kein Problem, da es im wesentlichen darum ging seinem Unmut Luft zu machen. Aber spätestens wenn die MLPD aus der Kapitalismuskritik die Abschaffung des Kapitalismus folgert  und die Wiedereinführung des Sozialismus fordert, wird klar, dass nicht alle das gleiche meinen und wollen.

Das erste, was ich beim Thema Begriffsklärung immer mache, ist nachlesen. Zum einen im Internet, da ich dort in solchen Momenten oft ohnehin bin. Das läuft dann oft auf Wikipedia hinaus. Ist aber vermutlich besser, als ein Lexikon oder eine beliebige Seite im Netz, wo ich dann nur eine wissenschaftliche oder persönliche Sicht erhalte. Und parallel dazu frage ich mein altes Lexikon (Denerts Universallexikon in zwei Bänden um 1900).

Wenn mein Lexikon dann aber zum Beispiel den Begriff Kapitalismus noch nicht einmal kennt, und Wikipedia mir drei wissenschaftliche und zehn gebräuchliche Erklärungen liefert, werden meine Fragezeichen meist noch größer.

Das Problem ist, dass einem beim Gebrauch eines Wortes dieser Aspekt meist nicht in den Sinn kommt. Und wenn wir etwas lesen oder hören meist auch nicht. Wir interpretieren lediglich so, wie es uns gerade in den einfällt. Und das führt häufig zu Missverständnissen.

Daher bedarf es leider meist längerer Texte, oder ausführlicher Gespräche (welche ich daher für ausgesprochen wertvoll halte), um halbwegs eindeutig zu formulieren, und man kann eben nicht mal eben seine Meinung kundtun. Man kann sich zwar mal eben über Dinge empören, und das ist auch wichtig, aber Systemkritik ist leider nicht so einfach verständlich zu machen. Daher werden die Proteste in Deutschland gestern wohl auch zahlenmäßig so klein ausgefallen sein. Ich war zugegeben über 1000 Demonstranten (Polizeischätzung) in Dresden überrascht, insbesondere, wenn man die kurzfristige 4 Tage Planung berücksichtigt. Aber viel ist das trotzdem nicht. Den Deutschen geht es vermutlich noch zu gut, um sich einfach so zu beschweren. Viele sehen einfach keinen Grund für direkte Demokratie oder gegen irgend etwas weniger konkretes zu demonstrieren. Wir werden zwar auch ausgebeutet, aber angesichts der vielen Krümel, die uns vom Kuchen anderer zufallen, sehen das viele wohl nicht. Ob da konkrete Kritik allerdings hilft kann ich auch nicht genau sagen.

Spätestens jedoch, wenn jemand einmal nicht unser Meinung ist oder uns nicht versteht, müssen wir uns bewusst machen, dass dies auch daran liegen kann, dass wir Begriffe verschieden verstehen. Insbesondere wenn wir über unseren Tellerrand hinaus schauen und uns mit anderen Meinungen auseinandersetzen wollen, ist dies unvermeidlich.