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Erleuchtung?

Kürzlich ist mir etwas interessantes widerfahren…

Gerade einen Tag nachdem es mir mal wieder gelungen war meine Gedanken halbwegs zu ordnen und auf den Punkt zu bringen, kam mir mal wieder ein Text aus meiner Vergangenheit in die Hände. Nun bin ich ja mit 25 Jahren noch nicht so alt, so dass man eigentlich sagen müsste ein Text aus meiner Jugend. Nur war ich damals nicht sonderlich schreibsamer als heute, und hab auch damals schon immer nur sporadisch derlei Aktivitäten an den Tag gelegt, so dass der Text, oder besser die Texte sich nicht so gut datieren lassen, aber es war wohl irgendwo in meiner Schulzeit zwischen der 10. Klasse und dem Abi.

Und wie ich so lese, wird mit allmählich bewusst, dass ich in den letzten Jahren zwar vieles dazugelernt habe, dass sich viele meiner Ansichten geändert haben, und dass ich eine wesentlich umfänglichere Sicht auf die Welt erlangt habe, aber im Grunde hatte ich damals einen besseren Blick für das Wesentliche! Ich dachte bisher, dass vor allem das Internet als Informationsquelle mir sehr geholfen hat eine vernünftige Weltsicht zu erlangen, aber heute muss ich feststellen, dass sich zwar Meinungen gebildet, verändert oder gefestigt haben, aber dass sich meine Grundeinstellung eigentlich seit 10 Jahren nicht wesentlich geändert zu haben scheint.

In guten und konstruktiven Gesprächen kommt es zuweilen vor, dass man an einen Punkt gelangt, wo man sich in der Sache zwar einig ist, es aber dennoch unterschiedliche Ansichten gibt. Dass man alle Argumente ausgetauscht, nachvollzogen und verstanden hat. Dass man genau weiß, was der andere sagen will. Dass man aber dennoch verschiedener Meinung ist. Ganz einfach auf Grund von grundauf verschiedenen Einstellungen. Einstellungen die man sich nur sehr schwer begründen kann, die man noch schwerer anderen erklären kann, und die einem oft trotz ihrer fundamentalen Wichtigkeit gar nicht so bewusst sind.

So kann man zum Beispiel über soziale Ausgleichssysteme ewig diskutieren. Man wird sich aber nie einigen können, wenn man nicht das grundlegende Verständnis darüber teilt, was man bereit ist jedem Menschen zuzugestehen. Per Gesetz haben auch HarzIV-Emprfänger in Deutschland das Recht auf einen Internetanschluss, aber Ausländer dürfen nicht einmal halbwegs uneingeschränkt nach Deutschland einwandern. Allein diese Tatsache wirft grundlegende, fundamentale Fragen auf, die man sich kaum stellt, und derer man sich kaum bewusst ist.

Und eben diese Fragen sind es, die ich mir früher viel häufiger gestellt habe und derer ich mir früher auch eher bewusst war. Meine Antworten darauf sind die selben, aber wenn die Fragen in Vergessenheit geraten, gerät leider auch das Fragen in Vergessenheit. Und in diesem Fall ist es das Fragen worauf es ankommt!

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Die Welt ist komplexer als es uns lieb ist. Viele Aspekte bedingen einander, strahlen auf andere aus und werden von Faktoren beeinflusst, die man meist erst auf den zweiten Blick bemerkt.

Das macht die Beantwortung vieler Fragen sehr kompliziert. Das meiste erscheint undurchsichtig, und vieles ist es auch.

Dennoch gibt es in meinen Augen einige grundlegende Dinge, die nicht unbedingt leicht zu erkennen sind, aber zumindest leicht zu verstehen. Sowohl der klare Menschenverstand als auch die Mittel der Logik geben uns die Möglichkeit einfache Gedanken nachzuvollziehen und als wahr oder falsch zu beurteilen.

Hier sehe ich eine Möglichkeit, bei der wir ansetzen sollten, die Menschen wach zu rütteln.

Es ist vergleichsweise schwer ein in sich geschlossenes Konzept zu entwickeln, welches die Lösung all unserer Probleme offenbart – insbesondere wenn man die Verschiedenheiten der menschlichen Natur berücksichtigen will. Es ist jedoch an einigen Stellen ein Leichtes die Fehler des vorhandenen „Systems“ aufzuzeigen und zumindest Möglichkeiten anzubieten, wie man das Problem lösen kann. Wir müssen ja nicht „die“ Lösung für alle finden – das ist wohl auch nicht möglich – und wir können sicher auch nicht für uns beanspruchen für alle zu reden. Ich glaube es ist vollkommen ausreichend Lösungsvorschläge in den Raum zu stellen, deren Vor- und Nachteile zu nennen, und sich die Menschen selbst eine Meinung bilden zu lassen.

Demokratie heißt eben auch, dass wir als Gruppe nicht alles zu entscheiden brauchen!

Zwei Beispiele:

  1. Wir haben offensichtlich einen Punkt in unserer Entwicklung als Gesellschaft erreicht, an dem nicht mehr jeder zur Produktion von Gütern und Dienstleistungen nötig ist. Es mangelt uns zwar nach der Meinung vieler Menschen an Arbeit, aber es mangelt nicht an materiellen oder immateriellen Dingen die es zu erarbeiten gilt. Dabei beziehen sich „Dinge“ vorrangig auf Produkte, die einen messbaren Wert darstellen. Sicherlich können wir mehr Lehrer, Sozialarbeiter und Altenpfleger gebrauchen, aber diese schaffen nicht oder kaum mehr (messbare) Werte, weshalb an dieser Stelle gerne gespart wird. Daher ist es auch völlig absurd mehr (Witschafts-)Wachstum zu fordern. Entweder wir produzieren mit weniger Menschen die gleiche zahl an Gütern, oder wir produzieren mehr Güter, welche dann aber auch verbraucht werden müssen. Auch das Erschließen neuer Märkte hilft da auf Dauer nicht weiter. Es macht ab einem gewissen Punkt einfach keinen Sinn die Produktion und Produktivität immer weiter zu steigern.

    So viel zu dem klaren Problem, welches man jedem recht einfach erläutern kann.

    Lösungsansätze gibt es verschiedene. Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist eine Möglichkeit. Es ist aber auch denkbar die Arbeitszeit so weit zu kürzen, dass jeder die Möglichkeit erhält, von dieser „produktiven“ Arbeit gut zu leben. Oder man erhebt z.B. auf Güter eine höhere Mehrwertsteuer, und finanziert damit sinnvolle Arbeiten im sozialen Bereich.

    Diese drei Lösungsbeispiele haben jeder seine Vor- und Nachteile. Und es muss in meinen Augen nicht unser Anspruch sein, die „beste“ Lösung zu präsentieren oder gar zu propagieren. Allein das Herausarbeiten und Gegenüberstellen der Alternativen (und natürlich des aktuellen Systems) kann ausreichend sein. Über etwas derart Grundsätzliches könnte man im Anschluss an eine Aufklärung eine Befragung oder Abstimmung setzen.

    Sicher ist eine Lösung des Problems auf diese Weise nicht realistisch, aber auch aus demokratischen Gesichtspunkten heraus in meinen Augen durchaus erstrebenswert.

  2. Ein zweites Problem, welches in meinen Augen grundlegend einfach und verständlich ist, befasst sich mit der Besitzverteilung. Auch wenn man Gewinne aus nicht selbstständiger Arbeit für gerechtfertigt hält, so bleibt doch die Frage, was mit diesen Gewinnen geschieht. Solange jemand das Geld, dass er verdient, auch wieder ausgibt, kommt das Geld wieder zurück ins „System“ und gibt anderen Menschen Arbeit. Was aber, wenn jemand dieses Geld nicht ausgibt, sondern anlegt, um noch mehr Geld aus nicht selbstständiger Arbeit zu erhalten? Ganz einfach, es wird immer mehr Geld. Und dieses Geld muss irgendwo nun einmal auch jemand verlieren, was zu einer ganz natürlichen Verschiebung der Geldverteilung führt.

    Auch hier ist das Problem denke ich im Kern sehr einfach, ohne dass man irgendwelche moralischen oder wirtschaftlichen Zusammenhänge berücksichtigen muss. Das Wasser strömt immer zum Meer, ob ich nun einen Staudamm baue, oder nicht.

    Auch hier kann man nun wieder überlegen, was man dagegen tun kann. Klar ist, das Wasser muss wieder auf den Berg, oder eben das Geld zu den Menschen, die dafür auch arbeiten. Ob man dies nun durch Steuern, durch Zwangsspenden oder den irgendwie gearteten „Zwang zum Geldausgeben“ löst, kann man diskutieren, aber das Problem steht im Raum und löst sich nicht von allein.

Hier mal noch ein, wie ich finde, schönes Zitat:

„Wissen beginnt demnach mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der Ent-täuschung, Wissen bedeutet, durch die Oberfläche zu den Wurzeln und damit zu den Ursachen vorzudringen, die Realität in ihrer Nacktheit zu „sehen“. Wissen bedeutet nicht, im Besitz von Wahrheit zu sein, sondern durch die Oberfläche zu dringen und kritisch und tätig nach immer größerer Annäherung an die Wahrheit zu streben „

Erich Fromm

Es wir vieles beklagt dieser Tage. Auch und gerade wenn es um unser Geldsystem geht!

Dabei wird auf den Banken rumgehackt, auf den oberen 1 %, oder auf der Politik, die diese unterstützt, oder zu wenig zur Kasse bittet.

Aber einige in meinen Augen ganz wesentlichen Dinge werden dabei nur sehr selten angerissen, weshalb ich dies hier einmal etwas grundlegender zu tun gedenke…

Es gibt durchaus gute Argumente, die für Zinsen sprechen: Zum einen die Tatsache, dass man eine Art Anreiz benötigt, sein Geld herzugeben. Mann könnte es ja auch einfach behalten. Zum anderen – und das finde ich wesentlich bedeutsamer – das Argument, dass es passieren kann, dass ein Kreditnehmer insolvent geht. Der Zins wird dabei dem Ausfallrisiko angepasst. Wenn eine Bank 100 Menschen je 10 Euro leiht, und vermutlich 10 Menschen davon ihr Geld nicht zurückzahlen können werden, so muss sie so viel Zinsen verlangen, dass sie insgesammt von den 90 übrigen Leuten doch zumindest so viel Geld zurückerhält, dass sie wieder auf 1000 Euro kommt. Andererseits gäbe es nicht nur keinen Anreiz Geld zu verleihen, sondern sogar die Gewissheit fürher oder später Geld zu verlieren.

Demgegenüber gibt es natürlich auch Argumente, die gegen etwas wie Zinsen sprechen. Das Grundlegende ist, dass Zinsen bedeuten, dass die einen Menschen für die anderen arbeiten. Denn wenn ich mir Geld leihe, um zum Beispiel ein Haus zu bauen, und dann über viele Jahre das Geld wieder zurückzahle, zahle ich mehr zurück, als ich bekommen habe – deutlich mehr! Und dafür muss ich eben arbeiten. Oder ich habe genug Geld, und lasse dieses Geld für mich arbeiten. Aber es ist nie das Geld das arbeitet, es sind immer andere Menschen!

Das Problem an der Sache ist, dass es mit diesem Für und Wider nicht getan ist. Es gibt noch einen anderen Mechanismus, der ganz wesentlich beeinflusst, wie sich ein Vermögen entwickelt. Nähmlich die Inflation. Denn die Inflation sorgt dafür, dass Geld an Wert verliert. Und da dies niemand will, legen wir unser Geld an, um die Inflation zumindest auszugleichen. Denn was nutzt mir Erspartes, wenn es einfach so an Wert verliert. Ich will ja im Alter noch von irgend etwas leben können.

Nun ist Inflation aber nichts Natürliches. Inflation entsteht, wenn sich das Verhältnis von Geldmenge zu Warenmenge so verschiebt, dass es anteilig mehr Geld als Waren gibt. Gibt es 10 Euro und 10 Fische, ist das Geld mehr wert, als wenn es 10 Euro und 20 Fische gibt. Das heißt Inflation entsteht, wenn die Warenmenge bei gleicher Geldmenge abnimmt, wenn die Geldmenge bei gleicher Warenmenge zunimmt, wenn die Warenmenge schneller abnimmt, als die Geldmenge, oder wenn die Geldmenge schneller zunimmt als die Warenmenge.

Auch wenn wir Waren verbrauchen, so kommt man nicht umhin festzustellen, dass die Warenmenge eher steigt, als fällt. Folglich muss die Geldmenge auch steigen – undzwar stärker als die Warenmenge – um Inflation zu verursachen. Wie die Geldmengenerhöhung genau von statten geht, möchte ich hier nicht näher beleuchten. Nur so viel sei verraten: Es sind eher die Zentralbanken, als die Goldgräber und Geldfälscher^^

Wenn wir also eine Inflation von etwa 2 % haben, verliert unser Geld in 35 Jahren die Hälfte seines Wertes. Das heißt, dass obwohl die Produktivität steigt, und somit der Arbeitsaufwand sinkt, auch meine heutige Arbeitsleisung in 35 Jahren nur noch die Hälfte wert ist. Wenn ich jetzt also 10 Jahre Arbeite, 2/3 des Geldes verbrauche, und 1/3 für die Rente anspare, dann kann ich weitere 30 Jahre später von dem 1/3 vermutlich nur noch 2,5 Jahre auf dem gleichen Niveau leben.

Da brauch ich kein Genie zu sein, um zu erkennen, dass da was nicht ganz richtig sein kann. Hier mal ein nettes Gegenbeispiel:

Angenommen wir haben eine konstante Geldmenge, jedoch ein Wirtschafts- und damit auch Wahrenwachstum von etwa 1%. Wenn ich jetzt 10 Jahre lang 1/3 meines Geldes bei Seite lege, kann ich davon 30 Jahre später schon über 7 Jahre auf gleichem Niveau leben.

Die Frage die sich stellt ist: Woraus resultiert dieser Unterschied, und wer profitiert davon? Die Ursache liegt im Wesentlichen bei der Geldmengenerhöhung (was ja in der Rechnung die Grundannahme ist). Nur was passiert mit dieser Geldmenge, wer erhält sie?

Einfach gesagt: Alle die Schulden haben, profitieren in gewissem Maße davon, denn ihre Schulden werden weniger Wert. Kaufe ich mir heut ein Haus auf Kredit, ist dieses (vom Verschleiß/Zerfall abgesehen) in 35 Jahren immernoch ein ganzes Haus. Von dem Geld könnte ich mir dann allerdings nur noch das halbe Haus kaufen. Das Problem daran ist nur der Zins, den ich auf den Kredit zahlen muss…

Daher landet das Geld da, wo es ohnehin schon genug gibt, beim Kreditgeber – zumeist den oberen 1%!

Freilich ist das System ein wenig komplexer, aber vielleicht sollte man sich auch einmal fragen, warum das so ist…

Mayer Amschel Rothschild, amerikanischer Bankier und Mitbegründer unseres heutigen Geldsystems sagte:
„Die Wenigen, die das System verstehen, werden so sehr an seinen Profiten interessiert oder so abhängig sein von der Gunst des Systems, dass aus deren Reihen nie eine Opposition hervorgehen wird.
Die große Masse der Leute aber, mental unfähig zu begreifen, wird seine Last ohne Murren tragen, vielleicht sogar ohne zu mutmaßen, dass das System ihren Interessen feindlich ist.“
Macht euch Gedanken! Diskutiert mit anderen!
Und überlegt euch, ob ihr andere für euer Geld arbeiten lassen wollt. Vielleicht gehört auch ihr dann bald zu den 1%.

„Habt ihr es nicht kommen sehen?“

So oder so ähnlich könnte in einer nicht allzu fernen Zukunft einmal die Jugend fragen! Und was sagen wir dann?

Die einen werden sagen: Wir hatten Angst vor Terroristen! Andere werden sagen: Wir hatten andere Probleme! Und wieder andere argumentieren: Wir hatten keine Wahl mehr! Und vielleicht sagt der eine oder andere: Wir hatten keine Ahnung!

Was wirst du antworten?

Hast du Angst vor Terroristen? Wenn ja, dann frage dich einmal warum. Und dann vergleiche deine Antwort mal mit anderen Sorgen. Dazu empfehle ich mal Volker Pispers. Besser kann ich das nicht auf den Punkt bringen.

Oder hast du andere Probleme? Mit Sicherheit! Aber sollte man deshalb sagen: „Was scheren mich Krieg und Diktatur, Ausbeutung und Betrug?“ Vermutlich nicht. Der eine oder andere mag tatsächlich gravierende Probleme haben, aber der wird hier wohl auch nicht lesen. Den meisten Menschen geht es doch viel zu gut, als dass sie sich über Dinge beschweren, die sie nicht – oder noch nicht – direkt betreffen…

Oder meinst du, du hättest keine Wahl mehr?  Wohl kaum, vielleicht keine Lust, keinen Mut oder etwas in der Art. Aber die Wahl hat man – zumindest noch! Nur muss man auch wissen, was man wählt…

„Wir hatten keine Ahnung!“ Das ist wohl noch die ehrlichste Aussage. Zumindest wird es für die meisten so sein. Aber keine Ahnung zu haben, heißt nicht das man unschuldig ist. Denn es gibt genug Menschen, die Probleme und Alternativen – häufig auch alternative Probleme – aufzeigen. Jeder hat dich Möglichkeit sich zu informieren. Und auch die Möglichkeit mehr zu tun als nur ab und an mal „Bio“ zu kaufen oder Veganer zu werden. Mehr zu tun als sich zu beschweren, als nur Alternativen zu suchen, oder als zu sagen: „Macht dieses oder jenes mal besser!“

Es mag schwer sein den Weg zu sehen, aber manchmal muss man auch ein wenig suchen, ehe man den Weg findet, oder ein wenig in die richtige Richtung gehen, ehe man den Weg erkennt!

Und vor allem sollte man den falschen Weg nicht beschreiten, nur weil er so bequem ist!

Was auch immer man glaubt, was auch immer man weiß, was auch immer man erdacht hat.

Was auch immer man gelesen hat, was man gesehen hat, was man auch gehört hat.

Was auch immer man gelernt und was man verstanden hat.

Insbesondere wenn Zweifel auftauchen, oder wir uns mit Kritik konfrontiert sehen, sollten wir uns einmal Zeit nehmen, und nicht nur nachdenken, sondern auch überdenken.

Nachdenken ist einfach, man folgt einer Argumentation und gelangt zu einem Ergebnis.

Doch viele Wege führen nach Rom – und noch mehr in die Irre.

Der kritische Umgang mit den eigenen Gedanken ist das höchste Gut für einen freien Geist. Es gibt viele Wahrheiten, aber nur ein Bruchteil von ihnen ist vollkommen, wenn es das überhaupt gibt. Die meisten Wahrheiten und Gedanken sind unvollkommen, sie strahlen mal mehr oder wenige hell. Mal werden sie angestrahlt, mal strahlen sie selber. Aber nur wenige Gedanken sind in der Lage aus sich selbst heraus alles zu überstrahlen. Und selbst diese Gedanken strahlen nicht für jeden gleich hell. Und manch einer erkennt ihre Strahlen gar nicht, weil er abgewandt steht oder die Sicht versperrt ist. Man muss immer bereit sein sich auch einmal umzuwenden. Man sollte keinen soliden Standpunkt leichtfertig aufgeben, aber man sollte auch nicht leichtfertig sein oder stillstehen, aus Angst der eigene Standpunkt könnte einem unter den Füßen zerbröckeln…

Seit kritisch mit anderen, mit euch und bitte auch mit mir!

Aber glaubt nicht einfach nur zu wissen…

Nun ist ja ja schon etwas über zwei Wochen her, dass am 15. Oktober auch hier in Deutschland eine Bewegung begann, die man zuweilen als „Occupy-Bewegung“ bezeichnet. Einfache empörte Bürger aus allen Schichten der Gesellschaft. Vielleicht ein guter Zeitpunkt, um mal ein paar Dinge, die mir aufgefallen sind, aufzuzeigen. (Über andere Erfahrungen und Meinungen in Form von Kommentaren würde ich mich sehr freuen.)

1. Das wohl wichtigste schein mir, dass es sich bei dieser, in meinen Augen fälschlich als Bewegung bezeichneten, Menge von Menschen um eine vollkommen uneinheitliche und bunt gemischte Gruppe handelt, deren größter gemeinsamer Nenner „allgemeine Empörung“ zu sein scheint. Dies soll keine Kritik sein, aber man muss sich dessen bewusst sein, wenn man in den Medien einzelne Meinungen von Demonstranten, von Attac oder anderen Gruppen vernimmt. Und angesichts der Tatsache, dass es sich bei den Protesten nicht einmal zwingend um die Finanzwelt drehte, sondern viel verschiedene grundlegende Systemkritik geäußert wurde (zumindest in Dresden), muss man leider sagen, dass die paar tausend Menschen auf den Straßen da wohl gerade einmal ein Tropfen auf den heißen Stein waren (trotzdem war ich persönlich von der Menge überrascht).

2. Was ich an dieser Bewegung am kritischsten sehe, ist die Tatsache, dass dem Ganzen schon im Vorfeld sehr viel Raum in den Medien zugestanden wurde. Und seither das Thema trotz der geringen Zahl an Beteiligten auch weiterhin relativ präsent in den Medien ist. Wobei auffällt, dass es wenig konkrete Kritik und noch wenige konkrete Vorschläge gibt. Man kritisiert die Hochfinanz und das Finanzsystem, den Raubtierkapitalismus und die Ungleichheit, die Schere zwischen Arm und Reich und noch ein bisschen mehr. Die Kritik sehe ich zwar als gerechtfertigt und zumeist auch richtig an, nur ist sie eben auf einem sehr wenig durchdachtem Niveau. Und der einzige Vorschlag, der dann öfter mal durchschimmert, vor allem von attac, ist die Einführung einer Finanztransaktionssteuer. Und das unsere Regierung, unsere Medien und „das deutsche Volk“ an einem Strang zu ziehen scheinen, macht mich vollendens stutzig und schein mir eher ein Ventil für die allgemeine Unzufriedenheit zu sein.

3. Finanztransaktionssteuer… Wer bitte glaubt denn ernsthaft, dass man damit das Problem lösen kann? „Wir müssen den bösen Spekulanten Einhalt gebieten!“ Ja klar, dann können wir auch gleich die anderen Berufe zusätzlich besteuern, die nicht produktiv tätig sind, und sich auf Kosten anderer bereichern. Dann sollten wir uns aber nicht wundern, wenn die Arbeitslosenquote mal schnell auf deutlich über 50% ansteigt. Mal abgesehen davon, das ohne diese Menschen unsere Börse (wie auch viele andere Märkte) nicht vorstellbar ist, und wohl auch nicht besonders funktionieren würde. Ihre Aufgabe besteht ja nicht darin die Preise hoch zu treiben, sondern einen Marktpreis zu generieren. Mich zwingt ja niemand meine Aktie oder was auch immer an Spekulanten zu verkaufen. Aber ich nehme eben lieber einen kleinen Verlust hin, als dass ich warten muss, bis sich ein Käufer findet, der die Aktie auch wirklich haben, und nicht nur handeln will. Und wenn ich eine Aktie kaufen will, kann ich ja auch warten, bis einer eben diese Aktie verkaufen will. Die Spekulanten spekulieren, da toll, sollen sie doch. Zumindest bestehlen sie uns nicht gegen unseren Willen. Und dass wir mit dieser Steuer unser Schuldenproblem lösen können, glaubt ich erst recht nicht…

Eine Tendenz, die mir in vielen Kommentaren und Äußerungen aufgefallen ist, möchte ich hier noch anbringen, bevor ich meine Meinung zu Problem und Lösung noch kurz darlege.

4. Sowohl in dem, was unsere Politik gerade ansteuert, als auch in dem, was ich aus vielen Meinungen von „Nichtregierungsorganisationen“ oder -personen wahrnehme, scheint mir eine Tendenz besonders unangenehm. Wir suchen und verlangen immer mehr globale oder zumindest internationale Lösungen für Probleme, die uns solche internationalen Bestrebungen erst eingebracht haben, oder die auch regional gelöst werden könnten. Wir steuern aus unserer Scheindemokratie immer mehr auf eine Räteregierung zu. Das Synonym Sowjetregierung (eigentlich ist es einfach eine Übersetzung – mit gleicher Bedeutung) wird verständlicher Weise nur ungern verwendet, obwohl Vergleiche durchaus angebracht sind! Ich für meinen Teil finde diese Entwicklung nicht sehr erstrebenswert!

Zum meiner Meinung: Das Problem der Schulden ist Hausgemacht, und die Griechen, oder wer auch immer, sind daran lediglich mitschuldig. Und ganz allgemein die Banken zu beschuldigen, halte ich auch für kurzsichtig. Wer sind den die Banken. Die Banken verwalten nur das Geld der Menschen. Und die wollen Profite sehen. Wenn wir auf unsere Geldanlage mehr Zinsen haben wollen, als eine Deutsche Staatsanleihe einbringt, ist doch ganz klar, dass der Gewinn irgendwo anders herkommen muss. Jeder der Geld auf die Bank schaft, verlangt dafür Zinsen, und diese Zinsen muss irgendwer zahlen, und im Endeffekt auch erarbeiten. Soweit ist das denke ich recht klar… Das wir Zinsen verlangen ist allerdings auch verständlich, da ja das Geld durch die Inflation immer weniger Wert ist, und wir diesen Verlust ja zumindest ausgleichen wollen, um im Alter, oder zumindest in wie weit auch immer entfernter Zukunft, uns davon noch ähnlich viel leisten können… Dieses System hat lange Zeit auch ganz gut funktioniert, da die Wirtschaft mit der Geldmenge gewachsen ist. Wenn aber wie heute, die Geldmenge schneller als die Wirtschaft wächst, geht das ganze irgendwann vor die Hunde.

Das große übel ist es in meinen Augen, dass Wert- und Geldschöpfung im falschen Zusammenhang stehen. Die Geldmenge steigt exponentiell, dass kann aber eine Wirtschaft auf Dauer nie leisten. (In meinen Augen sollte man sich ohnehin einmal überlegen, was wir tatsächlich für ein Wirtschaftswachstum brauchen – oder ob.) Gebe es eine feste Geldmenge, oder von mir aus einfach nur kein gesetzlich vorgeschriebenes Zahlungsmittel, wäre das Problem an der Wurzel behoben. Sicherlich stirbt die „Pflanze“ ohne Wurzel dann ab und richtet auch ein wenig Schaden an, aber vermutlich wachsen unter der gefällten Kiefer dann auch ein paar Blumen…

Häufig stellt sich mir beim Lesen die Frage, was genau will mir der Autor damit eigentlich sagen… Und dabei stoße ich häufig auf ein Problem, welches mir für das Verständnis und die Kommunikation der Menschen von grundlegender Bedeutung scheint.

Welche Bedeutung steckt eigentlich in den Worten, wenn jemand den Kapitalismus, den Neoliberalismus, die Marktwirtschaft, die Banken oder was auch immer kritisiert? Was bedeutet rechts, und vor allem was bedeutet links, was ist Raubtierkapitalismus, was ist liberal und was sozial?

In diesen Fragen steckt weit mehr als Paragraphenreiterei. Denn wie will man über etwas reden können, wenn die Begriffe nicht klar definiert sind? Problematisch wird dies insbesondere, wenn man wie gestern am 15. Oktober Schilder und Plakate auf einer Demonstration mitführt, um damit etwas auszusagen. Insbesondere gestern war dies ja kein Problem, da es im wesentlichen darum ging seinem Unmut Luft zu machen. Aber spätestens wenn die MLPD aus der Kapitalismuskritik die Abschaffung des Kapitalismus folgert  und die Wiedereinführung des Sozialismus fordert, wird klar, dass nicht alle das gleiche meinen und wollen.

Das erste, was ich beim Thema Begriffsklärung immer mache, ist nachlesen. Zum einen im Internet, da ich dort in solchen Momenten oft ohnehin bin. Das läuft dann oft auf Wikipedia hinaus. Ist aber vermutlich besser, als ein Lexikon oder eine beliebige Seite im Netz, wo ich dann nur eine wissenschaftliche oder persönliche Sicht erhalte. Und parallel dazu frage ich mein altes Lexikon (Denerts Universallexikon in zwei Bänden um 1900).

Wenn mein Lexikon dann aber zum Beispiel den Begriff Kapitalismus noch nicht einmal kennt, und Wikipedia mir drei wissenschaftliche und zehn gebräuchliche Erklärungen liefert, werden meine Fragezeichen meist noch größer.

Das Problem ist, dass einem beim Gebrauch eines Wortes dieser Aspekt meist nicht in den Sinn kommt. Und wenn wir etwas lesen oder hören meist auch nicht. Wir interpretieren lediglich so, wie es uns gerade in den einfällt. Und das führt häufig zu Missverständnissen.

Daher bedarf es leider meist längerer Texte, oder ausführlicher Gespräche (welche ich daher für ausgesprochen wertvoll halte), um halbwegs eindeutig zu formulieren, und man kann eben nicht mal eben seine Meinung kundtun. Man kann sich zwar mal eben über Dinge empören, und das ist auch wichtig, aber Systemkritik ist leider nicht so einfach verständlich zu machen. Daher werden die Proteste in Deutschland gestern wohl auch zahlenmäßig so klein ausgefallen sein. Ich war zugegeben über 1000 Demonstranten (Polizeischätzung) in Dresden überrascht, insbesondere, wenn man die kurzfristige 4 Tage Planung berücksichtigt. Aber viel ist das trotzdem nicht. Den Deutschen geht es vermutlich noch zu gut, um sich einfach so zu beschweren. Viele sehen einfach keinen Grund für direkte Demokratie oder gegen irgend etwas weniger konkretes zu demonstrieren. Wir werden zwar auch ausgebeutet, aber angesichts der vielen Krümel, die uns vom Kuchen anderer zufallen, sehen das viele wohl nicht. Ob da konkrete Kritik allerdings hilft kann ich auch nicht genau sagen.

Spätestens jedoch, wenn jemand einmal nicht unser Meinung ist oder uns nicht versteht, müssen wir uns bewusst machen, dass dies auch daran liegen kann, dass wir Begriffe verschieden verstehen. Insbesondere wenn wir über unseren Tellerrand hinaus schauen und uns mit anderen Meinungen auseinandersetzen wollen, ist dies unvermeidlich.

Die große Lüge

Es gibt etwas in unserer Welt, was viele nicht bedenken. Etwas das vielen nicht auffällt, das zwar jeder irgendwie weiß, aber kaum einer bedenkt.

Es ist das Problem von Gut und Böse.

Egal ob in Comics, in Filmen oder in der öffentlichen Diskussion. Fast immer gibt es einen Bösewicht, ein Übel, jemanden der Schuld hat, oder viele. Einen Feind den es zu besiegen gibt, eine Ungerechtigkeit die es zu beseitigen gibt, oder ein Problem das es zu beheben gilt.

Doch diese allgemeine Denkweise erzeugt ein Problem, welches so allumfassend ist, dass es vieles in den Köpfen der Menschen ändern könnte, wenn man es denn bedenken würde.

Es ist eben nicht so, dass jemals irgendein Kriegsherr allein Schuld an einem Krieg gehabt hätte, und kein Problem hat nur eine Ursache. So hatte Hitler viele Unterstützer, ohne die der Krieg gar nicht möglich gewesen wäre. Ebenso wie alle Diktatoren oder Ähnliche. Man kann auch nicht nur die Wirtschaft oder die Hochfinanz für das eine oder andere Problem bei uns oder anderswo verantwortlich machen.

Natürlich ist es einfach für uns, unser Gewissen nicht zu belasten und zu sagen: „Ich kann nichts für den Krieg am einen Ende der Welt, oder für die Unterdrückung am anderen Ende.“ Aber jeder der Teil dieses Systems ist, hat auch eine gewisse Mitschuld. Egal ob durch unseren Konsum, unsere Geldanlage (wie gering sie auch sein mag) oder unsere Schulden, vielleicht durch unsere Arbeit oder einfach nur durch unsere Akzeptanz. Jeder ist auf vielfältige Weise an diesem System beteiligt!

Freilich möchte keiner als Einsiedler leben und mit 40 Jahren sterben! Aber wir müssen begreifen, dass unser Anteil vielleicht klein sein mag, aber das hängt von der Betrachtungsweise ab. Selbst wenn ich nur einer von 2 Milliarden nutznießenden Menschen bin, gibt es auf der anderen Seite immer noch über 4 Milliarden Menschen, die unter unserem, deinem und meinem täglichen Leben zu leiden haben.

Wir wollen viele Dinge vielleicht nicht, aber doch würden sie ohne uns nicht funktionieren. Wir sind vielleicht nicht der treibende Motor, aber eine Speiche im Rad. Es mag einfach sein andere zu beschuldigen, aber wir müssen auch bereit sein auf Dinge zu verzichten. Und wir müssen erkennen, dass wir mehr tun können und müssen als uns nur zu empören!

Es ist sinnvoller sein eigenes Leben zu ändern, als darauf zu warten, dass dies alle tun!

Da ich nun einmal beruflich ein wenig damit zu tun habe, und Radioaktivität für viele Menschen und offensichtlich auch unsere Medienwelt etwas äußerst unverständlich Schlechtes ist, möchte ich dazu mal ein paar Dinge klarstellen.

1. Das Hauptproblem der Radioaktivität ist vermutlich nicht, dass sie so schädlich ist, sondern, dass sie so schwer zu verstehen ist. Sie ist nicht wirklich greifbar und eigentlich nur wissenschaftlich halbwegs verständlich. Darüber hinaus gibt es keine verlässlichen Angaben über die tatsächliche Schädlichkeit radioaktiver Strahlung. Dabei muss man zwischen zwei Teilaspekten unterscheiden. Der eine ist die Physikalische Aspekt. Das Verständnis der Radioaktivität in ihren Eigenarten als besonders energiereiche elektromagnetische Welle und verschiedenen Teilchen und damit verschiedenen Strahlungsarten. Dies ist für den Leien nicht leicht zu verstehen. Allerdings ist es auch bei weitem nicht so kompliziert wie zum Beispiel die Quantenmechanik. Der zweite Aspekt ist die medizinische Betrachtung und Bewertung der Gefahren die von radioaktiver Strahlung ausgehen. Srahlt genug radioaktive Strahlung auf den Körper ein, kommt es zu Verbrennungen. Das ist der Grund für die direkten Opfer der Atombombenabwürfe in Japan und auch für die ersten etwa 60 Toten in Tschernobyl. Dies ist wissenschaftlich leicht zu verstehen, und auch relativ unbestritten. Problematisch wir es, wenn man nur geringe Mengen radioaktiver Strahlung betrachtet. Dann kann es zu keinen Verbrennungen kommen, jedoch wird durch Radioaktivität die DNA beschädigt. Oder besser gesagt, sie kann beschädigt werden. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass eine definierte Menge (und Energie) radioaktiver Strahlung die DNA schädigt, ist immer gleich. Und wenn ich die Menge verzehnfache, verzehnfache ich eben auch das Risiko eines Genschadens. Das Problem besteht im Wesentlichen darin, dass es einer sehr großen Menge Strahlung bedarf, bis einmal ein relevanter DNA-Schaden entsteht. Das liegt zum einen daran, dass der Körper DNA-Schäden verschiedenster Art reparieren kann, und zum anderen daran, dass ein DNA-Schaden häufig keine relevanten Einfluss auf den Organismus hat. Und bei diesen vielen Unsicherheitsfaktoren ist eine Bewertung sehr schwierig. Das kann man sich vielleicht so vorstellen, als wenn man von 1000 Menschen ein Morsesignal bekommt, von denen 999 nur wild auf der Taste rumhämmern und einer versucht tatsächlich etwas mitzuteilen. Da kann man Computer mit so viel Statistik füttern, wie man will, ein zuverlässiges Ergebnis erhält man nicht, Zumal Krebs ja nicht nur von Radioaktivität verursacht wird.

2. Des weiteren sollte man zwischen natürlicher und künstlicher Radioaktivität unterscheiden. Denn Radioaktivität gibt es überall. Das Weltall straht verschiedenste Partikel auf die Erde , welche vorrangig  mit Atomen in der Atmosphäre reagieren und dabei andere Atome bilden, die zum Teil radioaktiv sind. Darauf basiert zum Beispiel die Radiokarbonmethode, bei der man ausnutzt, dass das Verhältnis von radioaktivem zu nicht radioaktivem Kohlenstoff in der Atmosphäre immer relativ gleich ist, wohingegen die radioaktiven Anteile in abgestorbenen Pflanzen und Tieren allmählich abnehmen. Daher gibt es im Menschlichen Körper 3000-20000 Zerfälle pro Sekunde. Die andern beiden großen Quellen von Radioaktivität sind Vulkanausbrüche (da radioaktive Stoffe, die noch von der Entstehung der Erde her stammen, sehr schwer sind, kommen sie im Erdinneren gehäuft vor) und das Radon (radioaktives Edelgas, welches in allen Zerfallsketten vorkommt), welches überall in der Welt aus dem Boden aufsteigt. Die durch diese Quellen entstehende Radioaktivität ist nur bedingt vermeidbar und macht den größten Teil der radioaktiven Strahlung aus, und ist daher auch für die meisten Krebsfälle verantwortlich (Was das oben erwähnte Problem der statistischen Auswertung noch vergrößert). Eine weitere bedeutende Quelle ist zwar natürlich, jedoch setzen wir uns ihr nicht natürlich aus, bzw. nicht in relevanten Mengen. Es handelt sich um die oben bereits angesprochene Kosmische Strahlung, die auf den Menschen immer einwirkt, aber besonders bei Flügen oder in großen Höhen eine bedeutende Rolle spielt. So wird die Dosis bei Piloten etwa um den Faktor 5 gegenüber der natürlichen Radioaktivität erhöht, der Faktor bei Astronauten liegt bei mehreren Hundert.

3. Auch die künstliche Radioaktivität lässt sich weiter aufteilen. Die präsentesten Quellen in den Medien sind wohl die Atomkraftwerke. Diese machen aber im Vergleich zur natürlichen Radioaktivität nur etwa 1-5 % aus. Rauchen ist da deutlich effektiver. Die bedeutendste Quelle radioaktiver Strahlung ist jedoch mit Abstand die medizinische Anwendung, die über 90 % der künstlichen Radioaktivität ausmacht.

Eine schöne Übersicht über weitere künstliche und natürliche Quellen sowie verwendete Einheiten gibt es bei der Uni-Bonn.

4. Ein wesentliches Problem in der Bewertung der Gefahren durch Radioaktivität sehe ich in der Verhältnismäßigkeit. Ich bin kein großer Freund unserer Kernkraftwerke, aber selbst wenn man die Gefahren z.B. durch Unglücke in Kernkraftwerken als hoch einschätzt, gibt es weitaus größere Probleme, die sich wesentlich leichter lösen ließen. So gibt es z.B., um beim Thema Radioaktivität zu bleiben, im Irak Krankenhäuser, in denen jedes zweite Kind missgebildet zur Welt kommt. Ursache ist der Einsatz von abgereichertem Uran als Munition. Allein was durch den Einsatz solcher Munition der Wind nach Europa treibt, ist hier schädlicher als der Niederschlag, der uns aus Fukoshima erreicht, ob nun durch die Luft, oder durch Lebensmittel. Von den Folgen für den Irak und andere Länder ganz zu schweigen.

 

Nur weil Radioaktivität unsichtbar und schwer zu verstehen ist, ist sie noch lange nicht schädlicher als Rauchen, Alkohol und andere Drogen, von dem Hunger und den Kriegen in der Welt mal ganz zu schweigen…

Libyen

Mich würde mal interessieren, wie viele Menschen eigentlich noch glauben, wir würden Libyen aus humanitären Gründen demokratisieren…

Der zwei- oder möglicherweise sogar knapp dreistellige Milliardenbetrag, den Gaddafi von westlichen Banken auf asiatische umschichten wollte, und der aus humanitären Gründen eingefroren werden konnte, hatte damit sicher nichts zu tun. Ebenso wenig wie der Ölreichtum…

Es handelte sich schließlich um ein armes, unterdrücktes Volk! Und Gaddafi wurde schon seit jeher von uns kritisiert und verachtet.

Mal ehrlich: Gab es schon einen Krieg, der nicht von allen Teilnehmern aus Eigeninteresse betrieben wurde?

Das wirklich schockierende für mich ist nicht der Krieg als solcher, in der Hinsicht sind wir wohl – leider – ein wenig abgestumpft, sondern die Art und Weise wie über ihn berichtet wurde und wird. Am Anfang wurden reichlich Berichtet. Aufständische hier, Aufständische dort, Afrikanische Söldner, Scharfschützen schießen auf Zivilisten und und und. Man, und da schließe ich mich mit ein, hatte zumeist den Eindruck, es gäbe tatsächlich ähnlich wie in den Nachbarstaaten großen Widerstand gegen den Diktator Gaddafi.

Aber spätestens als vor allem die Franzosen Militärische Unterstützung forderten für die Rebellen forderten, sind wohl wie ich viele aufgewacht! Ich habe bis heute nicht verstanden, wie das Bombardieren von Rundfunkanstalten und weit über 10000 anderen Zielen, überhaupt glaubhaft vom existierenden Mandat der UN abgedeckt werden kann.

Und die Medien berichten dermaßen krampfhaft einseitig, dass man spätestens in dem Moment, in dem bei einer Liveschaltung nach Tripolis auf einmal jubelnde Inder mit indischen Fahnen (vermutlich in Indien) zu sehen sind, einem einige Fragen in den Kopf schießen sollten.

 

Ich kann jedem nur raten sich in allen wichtigen Fragen auch einmal abseits der dominierenden Medien zu informieren. Auch dort ist nicht alles Gold was glänzt, aber für die eigene Meinung – und die Wahrheit – halte ich es heute für unerlässlich.

Ach ja. Libyen war vor einem Viertel Jahr noch das Land mit der höchsten Bildungsquote und besten Krankenversorgung in ganz Afrika, und lag damit noch vor so einigen von uns hochgelobten Scheichtümern. Der Wohlstand war höher als in so manchen EU-Staaten und die Schere zwischen Arm und Reich war verglichen mit der Unsrigen ein kümmerlicher Witz…