Es ist geschafft! Diese Woche habe ich endlich meine letzte Prüfung bestanden. Und damit weit mehr erreicht, als nur eine weitere letzte Note angesammelt…

Vier Tage gelernt und eine 2,3 bekommen. In einer Klausur mit dem Umfang von mehreren Vorlesungen. Und das nach eineinhalb Jahren mehr oder weniger ohne Kontakt mit dem behandelten Stoff. Da kann man sich nicht beschweren!

Doch leider lief es nicht im ganzen Studium so einfach. Das lässt sich schon daran erwähnen, dass zwischen den Vorlesungen und der Prüfung mehrere Semester lagen. Zeit einmal ein Zwischenresümee zu ziehen (die Diplomarbeit muss ja noch beendet werden):

Was heißt es zu studieren? Das ist wohl Ansichtssache. Doch welchen Zweck hat das Studium? Wonach sollte sich der Inhalt des Studiums im weitesten Sinne richten? Und wie gut stimmen Realität und Praxis überein?

Ganz wesentlich hängt das natürlich vom gewählten Studiengang ab, und ein wenig wohl auch vom Studienort. Ich für meinen Teil habe ein naturwissenschaftliches Studium (Angewandte Naturwissenschaften; Vertiefung Umweltanalytik) gewählt. Und wenn ich den heute überlege, was im Studium alles überflüssig war, so muss ich feststellen, dass es eine ganze Menge war. Sicherlich benötigt man einen Überblick über etwas mehr als nur sein Fachgebiet. Hinzu kommt, dass man ja während des Studiums in den seltensten Fällen schon weiß, was danach mal kommt, und was man dann genau benötigt. So möchte ich im Wesentlichen auch gar keine Kritik daran äußern, was man so alles für Vorlesungen hat, auch wenn etwas mehr Auswahl für den Studenten, der ja manchmal doch eine Vorstellung davon hat wo er einmal hin will, wohl nicht verkehrt wäre…

Was ich im Nachhinein, wie teils auch schon eher im Studium, besonders zu bemängeln habe, ist die Art und Weise, wie das Wissen der Studenten geprüft wird. Sicherlich ist es für den Lehrenden das Einfachste, wenn er einen Test schreibt, in dem man auf eindeutige Ergebnisse kommt und wo man klar definiertes Wissen abfragt. Das ist dann richtig oder falsch, man bekommt Punkte und hat mehr oder weniger gut bestanden – oder eben auch nicht. Demgegenüber steht natürlich die Möglichkeit, Verständnisfragen zu stellen, was sowohl vom Aufwand her, als auch von der Vergleichbarkeit her schwieriger zu bewerten ist.  Jedoch hat schon Einstein gesagt: „Wissen heißt wissen, wo es geschrieben steht.“ Was ich in meinem Beruf auswendig wissen muss, das lerne ich ja nicht in der Uni, sondern während der Arbeit. Welchen Sinn hat es, unabhängig davon, ob ich das später brauche oder nicht, das Periodensystem der Elemente auswendig zu lernen (bis zur 6.Periode mit Nebengruppen)? Selbst wenn dies für meinen Job tatsächlich unerlässlich sein sollte, dann hilft es auch  nicht es im 5 Semester zu lernen, um es spätestens im 7. wieder vergessen zu haben. Ganz zu schweigen von Unmengen an Formeln, die so unbekannt und unbedeutend sind, dass sie lediglich im Buch des Menschen stehen, der unglücklicher Weise gerade dein Prof ist, und das Ganze für einfach, logisch und vor allem wichtig hält.

Ich muss zugeben, dass ich schon immer große Probleme mit dem Auswendiglernen hatte. Zum meinem Glück wurde ich dafür von meinen Eltern mit einem, wie ich meine, sehr gutem Verstand ausgestattet. Dies hat es mir gerade in den Naturwissenschaften und Mathematik immer sehr leicht gemacht. Zumindest in der Schule, denn leider musste ich feststellen, dass es im Studium zwar genauso wenig/viel ums Verstehen ging, wie in der Schule, jedoch kam für mich irgendwann der Punkt, an dem die Formeln, die man anwendete, nicht mehr logisch waren. Sie behandelten nur Sonderfälle, unterlagen eine Unzahl verschiedener Annahmen oder folgten irgendwelchen hochtheoretischen Modellen. Was mich besonders gestört hat, was dabei die Tatsache, das diejenigen, die keinen blassen Schimmer hatten, aber die Formeln auswendig konnten, zumeist besser dastanden, als diejenigen, denen es andersherum erging.

Glücklicher Weise konnte ich feststellen, das die Noten hinterher (oder eben auch schon vor dem Ende)  tatsächlich kaum mehr jemanden interessieren!

Man muss sich jedoch fragen, welchen Sinn und Zweck eine so geartete Bewertung des Studiums überhaupt hat. Zumal durch ein solches Vorgehen mitunter auch kräftig ausgesiebt wird. Und das eben auch in Studiengängen, wo es angeblich mehr Studenten bedarf…

Auch ich wäre am Ende fast an einem Testat gescheitert, dessen Sinnhaftigkeit ich stark anzweifeln möchte.

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