Die Welt ist komplexer als es uns lieb ist. Viele Aspekte bedingen einander, strahlen auf andere aus und werden von Faktoren beeinflusst, die man meist erst auf den zweiten Blick bemerkt.

Das macht die Beantwortung vieler Fragen sehr kompliziert. Das meiste erscheint undurchsichtig, und vieles ist es auch.

Dennoch gibt es in meinen Augen einige grundlegende Dinge, die nicht unbedingt leicht zu erkennen sind, aber zumindest leicht zu verstehen. Sowohl der klare Menschenverstand als auch die Mittel der Logik geben uns die Möglichkeit einfache Gedanken nachzuvollziehen und als wahr oder falsch zu beurteilen.

Hier sehe ich eine Möglichkeit, bei der wir ansetzen sollten, die Menschen wach zu rütteln.

Es ist vergleichsweise schwer ein in sich geschlossenes Konzept zu entwickeln, welches die Lösung all unserer Probleme offenbart – insbesondere wenn man die Verschiedenheiten der menschlichen Natur berücksichtigen will. Es ist jedoch an einigen Stellen ein Leichtes die Fehler des vorhandenen „Systems“ aufzuzeigen und zumindest Möglichkeiten anzubieten, wie man das Problem lösen kann. Wir müssen ja nicht „die“ Lösung für alle finden – das ist wohl auch nicht möglich – und wir können sicher auch nicht für uns beanspruchen für alle zu reden. Ich glaube es ist vollkommen ausreichend Lösungsvorschläge in den Raum zu stellen, deren Vor- und Nachteile zu nennen, und sich die Menschen selbst eine Meinung bilden zu lassen.

Demokratie heißt eben auch, dass wir als Gruppe nicht alles zu entscheiden brauchen!

Zwei Beispiele:

  1. Wir haben offensichtlich einen Punkt in unserer Entwicklung als Gesellschaft erreicht, an dem nicht mehr jeder zur Produktion von Gütern und Dienstleistungen nötig ist. Es mangelt uns zwar nach der Meinung vieler Menschen an Arbeit, aber es mangelt nicht an materiellen oder immateriellen Dingen die es zu erarbeiten gilt. Dabei beziehen sich „Dinge“ vorrangig auf Produkte, die einen messbaren Wert darstellen. Sicherlich können wir mehr Lehrer, Sozialarbeiter und Altenpfleger gebrauchen, aber diese schaffen nicht oder kaum mehr (messbare) Werte, weshalb an dieser Stelle gerne gespart wird. Daher ist es auch völlig absurd mehr (Witschafts-)Wachstum zu fordern. Entweder wir produzieren mit weniger Menschen die gleiche zahl an Gütern, oder wir produzieren mehr Güter, welche dann aber auch verbraucht werden müssen. Auch das Erschließen neuer Märkte hilft da auf Dauer nicht weiter. Es macht ab einem gewissen Punkt einfach keinen Sinn die Produktion und Produktivität immer weiter zu steigern.

    So viel zu dem klaren Problem, welches man jedem recht einfach erläutern kann.

    Lösungsansätze gibt es verschiedene. Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist eine Möglichkeit. Es ist aber auch denkbar die Arbeitszeit so weit zu kürzen, dass jeder die Möglichkeit erhält, von dieser „produktiven“ Arbeit gut zu leben. Oder man erhebt z.B. auf Güter eine höhere Mehrwertsteuer, und finanziert damit sinnvolle Arbeiten im sozialen Bereich.

    Diese drei Lösungsbeispiele haben jeder seine Vor- und Nachteile. Und es muss in meinen Augen nicht unser Anspruch sein, die „beste“ Lösung zu präsentieren oder gar zu propagieren. Allein das Herausarbeiten und Gegenüberstellen der Alternativen (und natürlich des aktuellen Systems) kann ausreichend sein. Über etwas derart Grundsätzliches könnte man im Anschluss an eine Aufklärung eine Befragung oder Abstimmung setzen.

    Sicher ist eine Lösung des Problems auf diese Weise nicht realistisch, aber auch aus demokratischen Gesichtspunkten heraus in meinen Augen durchaus erstrebenswert.

  2. Ein zweites Problem, welches in meinen Augen grundlegend einfach und verständlich ist, befasst sich mit der Besitzverteilung. Auch wenn man Gewinne aus nicht selbstständiger Arbeit für gerechtfertigt hält, so bleibt doch die Frage, was mit diesen Gewinnen geschieht. Solange jemand das Geld, dass er verdient, auch wieder ausgibt, kommt das Geld wieder zurück ins „System“ und gibt anderen Menschen Arbeit. Was aber, wenn jemand dieses Geld nicht ausgibt, sondern anlegt, um noch mehr Geld aus nicht selbstständiger Arbeit zu erhalten? Ganz einfach, es wird immer mehr Geld. Und dieses Geld muss irgendwo nun einmal auch jemand verlieren, was zu einer ganz natürlichen Verschiebung der Geldverteilung führt.

    Auch hier ist das Problem denke ich im Kern sehr einfach, ohne dass man irgendwelche moralischen oder wirtschaftlichen Zusammenhänge berücksichtigen muss. Das Wasser strömt immer zum Meer, ob ich nun einen Staudamm baue, oder nicht.

    Auch hier kann man nun wieder überlegen, was man dagegen tun kann. Klar ist, das Wasser muss wieder auf den Berg, oder eben das Geld zu den Menschen, die dafür auch arbeiten. Ob man dies nun durch Steuern, durch Zwangsspenden oder den irgendwie gearteten „Zwang zum Geldausgeben“ löst, kann man diskutieren, aber das Problem steht im Raum und löst sich nicht von allein.

Hier mal noch ein, wie ich finde, schönes Zitat:

„Wissen beginnt demnach mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der Ent-täuschung, Wissen bedeutet, durch die Oberfläche zu den Wurzeln und damit zu den Ursachen vorzudringen, die Realität in ihrer Nacktheit zu „sehen“. Wissen bedeutet nicht, im Besitz von Wahrheit zu sein, sondern durch die Oberfläche zu dringen und kritisch und tätig nach immer größerer Annäherung an die Wahrheit zu streben „

Erich Fromm

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